Von Kupfer und Schwefel; Sechster Tag 14.07.2010

Heute wartete der Öblarner Kupferweg auf mich. Und um 09.30 wartete Rudi auf mich im Garten mit seinem Mercedes, wie er das Gefährt nennt, um in die Berge auf dem Kupferweg zu wandern.

1712 war die Blütezeit der Minen. In dieser Zeit wurde 40,000 Kübel Erz gewonnen (1 Kübel ist ungefähr 75 kg). Daraus sind 65 Tonnen Kupfer, 56 Tonnen Schwefel, 280 kg Silber und 2 kg Gold erwirtschaftet worden.

Unterwegs erzählte er mir Geschichten über die BergarbeiterInnen und zeigte auch die letzten Reste und Zeichen dieser vergangenen Epoche. Wie Rudi das erzählt, erkennt man an seiner Stimme, dass die Sache ihm an Herzen liegt. Ich erinnere mich auch an meiner Rolle als Führender durchs Gewächshaus und an die Botanik Rundgänge. Gleich beim ersten Stopp bei der Scharbacher Kapelle zeigte er mir die Felsbrocken, die das Walchenbach mit von den Bergen runter bringt und zeigte mir den Ennstaler Phyllit und Quarz, die wir an diesem Tag öfters begegnen werden.

Die Scharbacher Kapelle

Diese Kapelle, die ursprünglich von Bachsteinen gebaut wurde, wurde liebevoll mit Spenden und ehrenamtliche Arbeit von Öblarnern und Öblarnerinnen restauriert. Ursprünglich eine Barbara-Kapelle, inzwischen ist sie in eine Lourdeskapelle umgewandelt.

Ich dürfte auch die Glocke in der Kapelle läuten. Angeblich gehen die Wünsche dort in Erfüllung.

Unterwegs zeigte mir Rudi auch die Verwüstungen von der Paula und dem Kyrill. Es geht mir durch den Kopf wie machtlos wir Menschen mit unseren Anbau gegen der Stärke der Natur sind. Vielleicht es ist auch gut so. Die Betroffenen werden aber sicher nicht das gleiche Gefühl haben wie ich. Wäre da vielleicht ein Mischwald besser gewesen?

Dann kamen wir zu den Stollen. Genauer gesagt den Thaddäus Stollen. Das ist der längste Stollen in den Berg. Er ist 1100 m lang. Wir dürften ihn nur bis 100m hinein gehen. Er zeigt die Zeugnisse seiner langen und bewegenden Geschichte. Man kann sich der mühevollen und lebensgefährlichen Arbeit dieser BergarbeiterInnen vorstellen. Mir gehen die Bilder und Nachrichten von immer wieder kehrenden Minenunfälle in China vor. Auch Lassing geht durch meinen Kopf. Die Geräte in Stollen sind teilweise aus Lassing.

Mehr als fünf Jahrhunderte wurde in Walchen, mit unterschiedlichem Erfolg intensiv Bergbau betrieben. Über sieben übereinander liegenden Etagen wurden viele Kilometer Stollen  geschürft. Es wurde von Hand aus mit Schlägel und Eisen das Erz herausgebrochen und mit Muskelkraft zur Schmelzhütte gebracht.

Im Stollen ist es erfrischend kühl in Gegensatz zu der sengenden Hitze draußen und bietet damit eine gute Abwechselung. Braune Striche markieren die Höhe des Sees der bei Zuschüttung des Stollen dort entstand. Das Wasser das aus den Stollen herausrinnt wird als Aqua Medica vermarktet und spricht man ihm heilende Kräfte zu. Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen die bei der Sanierungsarbeit mithalfen, berichteten von Heilungen verschiedener Hautkrankheiten.

Die Schwefelöfen

Um das Kupfer aus den stark schwefelhaltigen Walchener Erze zu gewinnen musste man diese durch Rösten entschwefeln. Das passierte in den Schwefelöfen, der einen Fass-Umfang von 10.000 Zentner hatte. Große Teil diese Öfen liegen noch in Ruinen, nur die Fassade und großteil eines Ofens ist restauriert und ist ein Zeugnis des mächtigen Baues. In 1666 in der Stämpfer Ära, wurde das Verfahren so verfeinert, dass keine andere Verarbeitungsstätte die Qualität des Rubinschwefel von diesen Öfen erreichen konnte.

Die giftigen Schwefel-Dämpfe hinterließen großen Schaden und das übrige tat der Mensch. Erzherzog Johann berichtete im Jahr 1810: „Die Berge der Walchen und das ganze Thal zuerst am Fuß der Gumpern, in seiner Tiefe kahl von dem Rauche der Schmelzhütten. Von dem Orte, wo wir das Thal erreichten, ist noch eine Viertelstunde zur Schmelzhütte. Das ganze Thal ist kahl, zerrissen, der Bach verwüstet die Tiefe; der arsenikalische Schwefelrauch verbrennt und vertilgt den Rasen, und so entblößt er nach und nach diese ohnehin brüchigen Gebirge.“

Johann Nepomuk Kapelle

Diese Figur des Johannes Nepomuk, der Brückenheiliger berühmt ist, stand früher an der Brücke neben dem Hauptplatz. Er spielt auch einen wichtigen Zeugen in Paula Groggers ‚Das Grimmingtor’.

Stampfer Haus

Rudi zeigt mir in diesem großteils restaurierten Haus das Bad der Stampferin. Elisabeth Stampfer berichtete in ihrem minutiös geführten Tagebuch wie sei das Bad hier schätzte. Das Bad führte heißes und kaltes Wasser durch Leitungen die in Lärchen Stämmen eingelassen wurden.

Die Kupferschmelzöfen

In der Zeit von 1666 bis 1802 wurde das spezielle Verfahren des walchnerischen Kupferschmelzens zur Vollendung gebracht. Durch diese speziale Methode gelang Johann Adam Stampfer das sonst so spröde Kupfer so auszuschmelzen, dass es zur Messing verarbeitet werden konnte. Bei diesem Verfahren entstand auch das Kupfervitriol, das damals unter „Adlervitriol“ verkauft wurde. Kupfervitriol wurde früher als Bordeauxbrühe im Weinbau zur Bekämpfung von Pilzerkrankungen eingesetzt.

Während Rudi mir das alles erzählte pflückten wir auch gleich Waldbeeren und aßen sie. Ich war sehr gerührt als ich sah, dass Rudi auch einen kleinen Strauß Waldbeeren für seine Ehefrau sammelte und mitnahm.

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Über pamirsehen

Hi ich lebe in Graz und werde von meinen täglichen Erlebnissen in Graz berichten!
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2 Antworten zu Von Kupfer und Schwefel; Sechster Tag 14.07.2010

  1. Emina schreibt:

    Und was hast du dir beim Glockenläuten gewünscht?

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